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Im Ganztag engagierte Mutter Thekla Torri: „Ein normaler Tag macht mich fast unzufrieden...“

Von Martina Peters

Wie viele Stunden hat eigentlich ein Tag dieser Frau? Mehr als 24 jedenfalls, könnte man vermuten. Ohne Thekla Torris energiegeladene Mitarbeit wäre so manches im Ganztagsangebot am Mädchengymnasium Borbeck in Essen kaum denkbar.

„Was diesen Job hier angeht, schwör ich auf Mütter. Um das alles gut zu machen, muss man nicht Pädagogik studiert, sondern sie durchlebt haben!“, sagt Thekla Torri im Brustton der Überzeugung. Gäbe es nicht die zierliche Frau mit den hochgesteckten kastanienbraunen Haaren dann wäre der Ganztag am Essener Mädchengymnasium Borbeck wohl so nicht möglich. „Frau Torri“ ist Verwalterin, Buchhalterin, Managerin, Organisatorin und Mutterersatz in einer Person, verantwortlich für die Vermittlung zwischen Schülerinnen und Betreuerinnen, für den reibungslosen Ablauf des Programms, für Organisation und Finanzen, für Gespräche mit den Eltern. Außerdem gilt 45-Jährige an dem einzigen Mädchengymnasium des Landes in städtischer Trägerschaft als die "gute Seele des Nachmittags“: ein Ratschlag hier, ein offenes Ohr für Probleme da, Hilfe und Unterstützung für schwierige Situationen, ermutigen und motivieren.

Foto: Thekla Torri hat sich für einen neuen Bücherraum eingesetzt. (Foto: privat) Thekla Torri hat sich für einen neuen Bücherraum eingesetzt. (Foto: privat)

Gelernt hat Torri Friseurin, „aber ich habe schnell gemerkt, das bin ich nicht.“ Also bekam Thekla Torri ihre Kinder. Ihr Mann ist Halb-Italiener, daher der Nachname, der „Türme“ bedeutet. Sie engagierte sich in Kita und Schule bei Festen und Klassenfahrten, studierte Musicals ein, erstellte Kulissen. Später leitete sie eine Kinderboutique, dann kümmerte sie sich um ihr heute achtjähriges Enkelkind, damit ihre heute 27-jährige Tochter die Hebammen-Ausbildung abschließen konnte. Ihre Söhne sind mittlerweile 20 und zwölf, der „Kleine“ kommt nach der Schule ins Mädchengymnasium und macht hier seine Hausaufgaben, während seine Mutter den Ganztagsbetrieb schmeißt.

Volles Programm...

Am Vormittag managt Thekla Torri ihre eigene Familie, kümmert sich um Haus, Einkauf und Enkelkind. Abends ist ihr Mann dran. Und der Nachmittag? Torri beschreibt ihn so: „Um 13.30 Uhr esse ich mit den Schülerinnen zu Mittag, um 14 Uhr sorge ich dafür, dass sie pünktlich zu ihrer Hausaufgaben-Betreuung gehen. Dabei helfen die Älteren den Jüngeren und stehen für Fragen zur Verfügung. Anschließend kommen die Mädchen zu mir, um mit unserer Lernsoftware am PC zu arbeiten, zu spielen, zu malen oder meine Bastelangebote wahrzunehmen. Um 15 Uhr schicke ich alle in ihre AGs, überprüfe, ob die ordnungsgemäß stattfinden und komme dann endlich dazu, mich um die Verwaltung zu kümmern, die Schulleitung und die Lehrerinnen zu kontaktieren oder mit Eltern zu sprechen. Gegen 16.30 Uhr ist Feierabend.“

Von wegen Feierabend. Thekla Torri sieht ihren 400-Euro-Job nicht als Job, und auch nicht als bloße Erfüllung dreier Nachmittagsstunden. Sie handele nach ihrem Motto “Kinder sind unsere Zukunft, in sie müssen wir investieren“, sagt sie. Und darum investiert Torri Engagement und Zeit. Viel Zeit. Erstes Beispiel: Renovieren der Klassenräume. Torri motivierte die Mädchen dazu, ihre Klassenräume schöner zu gestalten. Sprich: Sie half beim Ideenentwickeln, Planen, Einkaufen, Streichen. Zweites Beispiel: Bücherei. Unterstützt von Eltern, der Stadttischlerei und Sponsoren richteten Torri und Schülerinnen der Oberstufe am Wochenende und in den Ferien einen großen, hellen Raum als Bücherraum ein. Drittes Beispiel: „Aura“. Den „Ausruheraum“ hat sie ebenfalls gemeinsam mit den Mädchen und nach deren Geschmack renoviert und liebevoll dekoriert.

Foto: "Mein zweites Familienunternehmen", nennt Torri ihren Job im Ganztag (Foto: privat) "Mein zweites Familienunternehmen", nennt Torri ihren Job im Ganztag (Foto: privat)

Beete, Bänke, mehr Betreuung

Natürlich hat sie auch weiterhin Pläne. Im eher schmuddeligen Innenhof streichen derzeit Schülerinnen die Wände, bepflanzen die Beete und stellen Sitzbänke auf, die Betreuung der ADS-Kinder will sie verbessern und den Austausch mit Ganztags-Mitarbeitern anderer Schulen. „Das ist hier mein zweites Familienunternehmen!“, scherzt die dreifache Mutter. „Die Schule meiner Kinder war kein richtiges Zuhause, das wollte ich an dieser Schule ändern. Ich mach das gern, keiner tanzt mir auf dem Kopf herum, meine respektvolle, mütterliche Art wird geschätzt. Und das freut mich.“ Natürlich laufe nicht immer alles nach Plan. Aber genau das sei es, was sie möge und was sie herausfordere. „Ein ganz normaler Tag macht mich schon fast unzufrieden!“, sagt die 45-Jährige und lacht.

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