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Viel los im Blätterwald

Mädchen blättert in Magazinen (Foto: istockphoto/ Sergey Mostovoy)
Foto: Das Leseangebot für die jüngsten Leser wird immer differenzierter (Foto: istockphoto/ Sergey Mostovoy)

Von Arnd Zickgraf

Nach den Tageszeitungen entdecken nun die Wochenmagazine Kinder als Zielgruppe. Unlängst starteten gleich mehrere Blätter für Grundschüler und sogar Kindergartenkinder. Deren Erfolg rührt auch vom Förderwillen der Eltern. 

Ein Heft für Politik, eins für Technik, eins für Geographie – was bisher nur für den Zeitschriftenmarkt für Erwachsenen galt, gilt nun auch für die jüngsten Leser. Zu den meistgekauften Kindermagazinen zählt der Spiegel-Ableger „Dein Spiegel“ für Neun- bis Zwölfjährige. Seit kurzem geht das Heft monatlich mit einer Auflage von 150.000 Exemplaren an die Kioske. „Ein eher politisch orientiertes Magazin für Kinder gab es vorher nicht“, erläutert der stellvertretende „Spiegel“-Chefredakteur Doerry. Auf Forschung und Technik setzt das Magazin „Was ist was“ des Egmont Ehapa Verlages, das ebenfalls kürzlich auf den Markt kam. Es richtet sich an etwas jüngere Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis elf Jahren. Die Zeitschrift „National Geographic World“ wiederum versucht, für Sieben- bis 13-Jährige die ganze Welt in ein Heft zu packen. „Das ist ein bilinguales Wissensmagazin mit einem Hörbuch für junge Entdecker“, erklärt Chefredakteurin Andrea Schwendemann. Zusätzlich zu den deutschen und englischen Artikeln setzt es auf aufwändig produzierte Fotos in der Qualität des Muttermediums, Mitmach-Elemente und die Comic-Ratte Marvi Hämmer als virtuellen Reiseführer.

Nachwuchs für Platzhirsch „Geolino“

Marktführer unter den anspruchsvollen Kindermagazinen ist „Geolino“. Das Heft des Verlages Gruner+Jahr für Kinder von acht bis 14 Jahren gibt es seit 1996. Ursprünglich war nur eine Ausgabe vorgesehen – „Geo“-Redakteure sollten über das 50-jährige Bestehen des Kinderhilfswerks Unicef berichten. „Das Magazin ist aber so gut gelaufen, dass der Verlag es weiter veröffentlichte“, erläutert Martin Verg, Chefredakteur von „Geolino“. Heute kommt das Heft monatlich auf 240.000 Exemplare. Und seit März 2009 erscheint „Geomini“, ein Monatsmagazin für Kinder ab fünf Jahren. „Geomini“, sagt Verg, richte sich an Kinder, „die gerade ihre ersten Schritte als Leser gehen, sich aber ebenso gern etwas vorlesen lassen“.

Verlage unter wirtschaftlichem Druck

Wie können gedruckte Kindermagazine trotz des Siegeszugs digitaler Medien einen solchen Aufwind erleben? „Weil Eltern von dem Förderwillen getrieben werden, ihren Kindern so viel Bildung wie möglich angedeihen zu lassen“, erklärt Kathrin Kommerell, Autorin des Ratgebers „Journalismus für junge Leser“. Gedruckte Zeitungen wirkten dabei immer noch glaubwürdiger als Inhalte im Web. 

Umgekehrt brächen den Verlagen aufgrund der Finanzkrise und der Expansion des Internets immer mehr Anzeigenkunden und damit Bares weg. So bauten sie auf die Zukunft und versuchten die Kinder frühzeitig an ihre Produkte zu binden. Stichwort: Markenbindung. „Sie umwerben gezielt junge Familien, damit Eltern die Magazine schließlich abonnieren“, sagt Kommerell, die für die evangelische Kirche das Kindermagazin „Benjamin“ herausgibt.

Auch die Chefredakteure deutscher Zeitungen sagen: „Kinder werden als Zielgruppe immer wichtiger“. Das belegt auch eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) von 2008. Laut BDZV versuchen 76 Prozent der Verlage die Leseanfänger mit redaktionellen Angeboten wie Kinderseiten, Kindernachrichten, Vorlesegeschichten und Comics zu locken.

Foto: Viele Zeitschriften für junge Leser lesen auch die Eltern. (Foto: istockphoto/Viorika Prikhodko) Viele Zeitschriften für junge Leser lesen auch die Eltern. (Foto: istockphoto/Viorika Prikhodko)

Alle Themen gehen – aber auch ernste Geschichten enden zuversichtlich

Und welche Themen fesseln? „Kinder interessieren sich für nahezu alle Themen aus Politik, Geschichte, Gesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport“, umreißen die Chefredakteure des „Spiegels“ Matthias Müller von Blumencron und Martin Doerry. „Tabuthemen gibt es nicht, im Gegenteil“, erklärt auch Kinderjournalismus-Expertin Kommerell. Was aktuell sei und Aufmerksamkeit errege, könne thematisiert werden – auch Krisen, Katastrophen und Kriege.

Aber Kinderjournalismus stellt hohe Anforderungen an die Macher. Kommerell zählt auf, was unverzichtbar ist: „Der Bezug zur alltäglichen Lebenswelt der Kinder, vielfältige Anknüpfungspunkten, die Interesse auf sich ziehen.“ Außerdem brauche es eine einfache, aber attraktive Sprache. Und: „Wichtig ist es immer, einen lebensbejahenden und vorwärts schauenden Aspekt zu finden, der es den Kinder ermöglicht, ihr starkes Mitgefühl aufzufangen.“ Je mehr Kinder von der Welt verstünden, umso weniger Angst hätten sie, sagt Kommerell. Nur eins dürften Artikel für Kinder nicht sein: langweilig.

 

Zu den Webseiten der Kindermagazine geht es hier:

Geolino

Dein Spiegel

Was ist was

National Geographic World

Benjamin

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