Foto: Christian Pfeiffer: "Je mehr Medienkonsum und je brutaler die Inhalte, desto schlechter die Schulnoten" (Foto: privat)
Der Wissenschaftler Christian Pfeiffer zu den Gefahren übermäßigen Medienkonsums.
Computerspiele scheinen auf Pubertierende besonders anziehend zu wirken. Sollten Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder dann noch reglementieren? Oder brauchen Zwölf- bis 15-Jährige Freiräume, gerade auch vor dem Bildschirm?
Christian Pfeiffer: Eltern sollten hier vier gesicherte Forschungserkenntnisse beachten. Erstens: Die Verfügbarkeit über eigene Bildschirmgeräte erhöht den Medienkonsum an Schultagen je nach Alter um ein bis zwei Stunden, am Wochenende um zwei bis drei Stunden. Ferner vergrößert sie die Wahrscheinlichkeit, dass verbotene Inhalte konsumiert werden, bei Filmen um das Doppelte, bei Computerspielen um das Fünffache. Zweitens gilt: Je mehr Zeit Kinder und Jugendliche mit Medienkonsum verbringen und je brutaler die Inhalte sind, umso schlechter fallen die Schulnoten aus. Drittens ist zu beachten, dass die mit hohem Medienkonsum verbundene Bewegungsarmut das Risiko der Fettleibigkeit deutlich erhöht. Und viertens geraten inzwischen acht Prozent der Jungen in suchtartiges Spielen oder sind zumindest in diesem Sinne massiv gefährdet. Deswegen lautet mein Ratschlag: keine Bildschirmgeräte im Kinderzimmer.
Birgt das Internet besondere Gefahren?
Pfeiffer: Ja, dazu zwei Beispiele: Pädophile Männer geben sich in Chatrooms gerne als 13-oder 14-Jährige aus, um sich getarnt als Gleichaltrige mit Mädchen und Jungen über Sex austauschen zu können und vielleicht sogar ein persönliches Treffen zu ermöglichen. Ferner kann man mit zwei bis drei Mausklicks in brutal-sadistischen Pornofilmen landen oder in Animationsfilmen für ausufernde Alkoholexzesse von Kindern und Jugendlichen.
Sind nur Jungen gefährdet, sich in virtuellen Welten zu verlieren?
Pfeiffer: Die Hauptursache für die wachsende Diskrepanz bei Schulleistungen von Jungen und Mädchen – Schulabbrecher 64 zu 36 Prozent, Abitur 43 zu 57 Prozent – liegt im zeitlich und inhaltlich problematischen Medienkonsum der Jungen. Bei der Computerspielabhängigkeit dominieren sie gegenüber den Mädchen sogar im Verhältnis von zehn zu eins.
Was raten Sie Eltern, die über den Medienkonsum ihrer Kinder ernsthaft in Sorge sind?
Pfeiffer: Für alle Eltern gilt der Rat, dass sie für die Freizeit ihrer Kinder eine Devise befolgen: Lust auf Leben wecken – am besten durch Sport, Musik und andere sinnvolle Aktivitäten, die man gemeinsam mit anderen Kindern ausüben kann. Dabei brauchen sie freilich die Unterstützung der Schulen, die mit Ganztagsangeboten an den Nachmittagen ebenfalls dieses Motto realisieren sollten.
Was in Nordrhein-Westfalen ja zunehmend geschieht. Immer mehr Schulen bieten den Ganztag an. Was können Eltern aber tun, wenn ihr Kind sich nur noch für den Bildschirm interessiert?
Pfeiffer: Wenn der Medienkonsum sehr exzessiv geworden ist, dann helfen oft nur radikale Maßnahmen: Raus mit den Geräten aus dem Kinderzimmer und möglicherweise eine Therapie wegen Computerspielabhängigkeit. Im Internet können sie dazu unter dem Stichwort „Computerspielsucht“ Informationen finden.
Professor Christian Pfeiffer ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, das das Freizeitverhalten Jugendlicher erforscht.
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